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Freizeit: Zeit für mich, Zeit für uns?

Die Gestaltung der Freizeit ist in kinderreichen Familien insgesamt sehr auf die Familie bzw. auf das Zuhause fokussiert. Denn ist es selten der Fall, dass alle Familienmitglieder gemeinsam etwas außer Haus unternehmen. Meist hat mindestens ein Kind keine Lust auf das, was die anderen machen wollen oder irgendjemand ist gerade krank und muss das Bett hüten. In den meisten kinderreichen Familien wird der Freizeitgestaltung gar keine besonders große Rolle zugeschrieben, denn die Kinder organisieren sich ihre Spiele und Späße von selbst miteinander. Die Eltern werden in der Freizeit eher als privater Fahrtendienst gebraucht, wenn es darum geht, dass jene Kinder, die ein besonderes Hobby in einem speziellen Kurs ausüben möchten, pünktlich hingebracht und abgeholt werden.   

Frau Karin Z. aus Hollabrunn ist halbtags berufstätig und steht der organisierten Freizeitbeschäftigung ihrer vier Kinder mit gemischten Gefühlen gegenüber: „Ich freue mich, dass meine Kinder sich für so viele Dinge interessieren, und auch dass bei uns im Ort so Vieles angeboten wird. Aber meine Kinder müssen sich auf zwei Aktivitäten pro Woche festlegen, sei es Musik oder Sport, denn ich will nicht ständig wie ein Taxi durch die Gegend kurven. Zum Glück sind meine beiden Älteren schon so selbstständig, dass sie das meiste allein schaffen.“ 

Und wie kommen eigentlich Eltern neben all ihren Aufgaben zur Ruhe? Wie gestalten sie ihre freie Zeit? Gibt es überhaupt freie Zeit, wenn man viele Kinder hat? Unsere kinderreichen Familien (Vereinsmitglieder) kommen zur Überzeugung, dass es für ein funktionierendes Familienleben immens wichtig ist, dass die Eltern ausgeglichen sind. Genervte und überarbeitete Eltern verbreiten schlechte Stimmung. Also ist es zunächst wichtig, die Hausarbeit aufzuteilen. Und dann ist es – meistens für die Mütter – unerlässlich, auch die Sorgen für die kleineren Kinder zu festgelegten Terminen zu delegieren und sich ganz bewusst für sich selbst Zeit zu nehmen. Es hat langfristig betrachtet keinen Sinn, dass sich immer dieselbe Person in einer kinderreichen Familie für alles aufopfert und ihre Bedürfnisse ständig hinter jene der anderen stellt. Eine solche Vorgehensweise führt am Ende nur zu Frust und dem Gefühl, ausgenutzt zu werden. 

Frau Maria G. aus Hinterbrühl, Mutter von sechs Kindern, erzählt: „Früher, als die ersten drei Kinder klein waren, war ich richtig neidisch, wenn mein Mann hin und wieder mit seinen Arbeitskollegen etwas trinken gegangen und spät heimgekommen ist. Dann wusste ich, dass er etwas Lustiges erlebt hat und ich bin hier gesessen und hatte das Gefühl, das Leben zieht an mir vorüber. Wir haben es also eingerichtet, dass ich auch mindestens zweimal pro Monat allein mit Freundinnen unterwegs war. Seither gönnen wir uns gegenseitig unsere kleinen Familienauszeiten.“

 Das Ehepaar Doris und Michael L. aus Linz hat eine Oma-Lösung, um sich ganz bewusst Freizeit von den Kindern zu nehmen: „Unsere Oma kommt jeden Mittwoch am Abend zu uns nach Hause, um mit den Kindern Abend zu essen und sie dann ins Bett zu bringen. Wir entscheiden dann meistens spontan, wie wir mit diesem freien Abend gestalten. So sind wir oft im Kino, im Theater, im Konzert, gehen meistens vorher noch eine Kleinigkeit essen und genießen die Zeit zu zweit.“

Herr Klaus M. aus Perg erzählt: "Ich arbeite ca. 60 Stunden pro Woche, weshalb ich meine Kinder kaum sehe. Früher war ich oft neidisch, weil meine Frau so viel Zeit mit unseren Kinder hatte und sie von ihnen - auch wenn ich anwesend war - zu jeder Zeit und in jeder Situation bevorzugt wurde. Gleichzeitig beneidete meine Frau mich für meine Auszeiten von den Kindern und sehnte sich nach Zeit unter Erwachsenen und Zeit alleine. Als wir beide das Gespräch bezüglich dieser Probleme suchten, fanden wir einen ausgezeichneten Kompromiss: ich übernahm die Kinder den gesamten Sonntag. So hatte meine Frau Zeit für sich und ihre Freundinnen und Hobbies und ich hatte die Kinder "voll", also alleine, ohne dass meine Frau dabei war. Durch die regelmäßigen gemeinsamen Stunden merkte ich auch, dass ich für meine Kinder immer wichtiger wurde und sie dann manchmal auch in Situationen, in denen meine Frau anwesend war, speziell nach mir verlangten."